∞ Lieblingszitat ∞

"Jene, welche die Geschichte missachten, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen."

-"The Iron Thorn - Flüsternde Magie" von Caitlin Kittredge

Sonntag, 29. Mai 2016

Rezension: Die Magie der Namen (Nicole Gozdek) [Hörbuch]


Titel: "Die Magie der Namen"
Autor: Nicole Godzek
Verlag: Hörbuch Hamburg HHV GmbH
Genre: Fantasy
Seiten: 368 (HC) & Stunden: 8h 41min
Beendet: 28. Mai 2016
Hardcover: € 16,99
Taschenbuch: € 12,99
Hörbuch: € 9,95
ISBN: 978-3-4927-0387-1
mehr dazu: Amazon  Audible  



Der 16-jähre Nummer 19 träumt insgeheim davon, als Erwachsener ein Held und bedeutender name zu werden. Die 19 hat ihm in seinem Leben bisher kein Glück gebracht. Doch als der Tag der Namensgebung endlich gekommen ist, lösen sich seine Hoffnungen in Unglauben auf. Er erhält einen Namen, den keiner zu kennen scheint. Wer ist dieser Tirasan Passario? Nur das große Namensarchiv in der Hauptstadt Himmelstor kann ihm Auskunft geben. Gemeinsam mit dem Krieger Rustan Polliander und dessen Freunden macht er sich aufn die weit entfernte Stadt. Doch die Reise entpuppt sich als gefährlicher als erwartet. Und auch sein eigener Name hält noch einige Überraschungen für Tirasan bereit.

(DIE NAMENSGEBUNG)

"Der Name ist der Schlüssel zur Seele.

Ich war an diesem Frühlingsmorgen in dem Wissen aufgewacht, dass es der bedeutendste Tag in meinem Leben sein würde."

(Achtung SPOILER)

Die Grundidee dieser neuen Fantasy-Geschichte gefällt mir wirklich wahnsinnig gut! Die Komplexität der Geschichte und der Geheimnisse rund um die Namen und ihre Magie ist überragend. Sich so etwas auszudenken braucht wirklich eine Menge Fantasie. Alles passt schön zusammen. Allerdings muss ich auch meine Zweifel äußern. Ich hatte ja von Anfang an meine Probleme mit dem Protagonisten Tirasan. Er ist einfach ein junger Mann, der eher ein Mädchen ist- Und zwar ein ziemlich unsicheres Mädchen. Ich war wirklich, und das ist nicht nur so daher gesagt, kurz davor, die komplette Geschichte abzubrechen. Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten, dass in wirklich buchstäblich jedem zweiten Satz diese Selbstzweifel kamen. Und er wäre ja an allem schuld. Und ihn bemerkt ja niemand. Das schlimmste war allerdings, dass er es immer so gesehen hat, dass da vier Helden unterwegs sind (seine „Freunde“) und er einfach dabei ist. Dann wurde er einfach übersehen von anderen Menschen, die die Gruppe begrüßt haben. Ich finde es ziemlich unrealistisch, dass wenn man vier Zimmer bekommt, obwohl man zu fünft ist, auf jeden Fall etwas sagen würde, wenn man wirklich so gut befreundet wäre. Die Reise nach Himmelstor wurde wirklich relativ lange beschrieben, was aber vom Inhalt her kein Problem war. Nur die Sache mit Tirasan hat mich gestört. Wenn ich jetzt im Endeffekt allerdings nochmal über Rustan und die anderen Begleiter von Tirasan nachdenke, finde ich ihre Freundschaft plötzlich sehr suspekt. Ich meine, die Leute, mit denen er da unterwegs ist, haben ihn als Kinder gemobbt. Sie haben ihn geärgert und sich nur Wortgefechte mit ihm geliefert. Und dann reist er mit diesen Leuten? Bezeichnet sie nach kurzer Zeit als seine Freunde? Gut, keiner von ihnen, außer Rustan, wollte wirklich anfangs mit Tirasan reisen, sogar er wollte das nicht. Aber von einem Tag auf den anderen, so hat es sich zumindest angefühlt, waren Erzfeinde die allerbesten Freunde. Das ist meiner Meinung nach ziemlich unrealistisch. 

Dann kommen wir zum Ende. Ich habe in anderen Rezensionen schon gelesen, dass das Ende meist als zu schnell empfunden wurde und dem kann ich nur zustimmen. Zunächst waren da die vielen neuen Namen, die sowieso schon gewöhnungsbedürftig waren, und die man sich gar nicht so schnell merken konnte. Zu dem Hauptproblem, dass Tirasan ja herausfinden wollte, wer er war, kam dann auch noch ein ganz anderes Problem hinzu und ich dachte mir nur, was soll das denn jetzt, das hat doch momentan gar nichts mit der Frage des Buches zu tun. Gut, ganz am Ende kam dann raus, wozu das geführt hatte, das kann ich also noch akzeptieren. Aber dann kam das wirkliche Ende und ich dachte nur so, das wars jetzt oder was? Ich kann gar nicht mit Worten beschreiben, wie das Ende jetzt tatsächlich ist, weil ich einfach nicht darauf klar komme. Am aller schlimmsten finde ich allerdings, dass Tirasan wissentlich etwas verändert, was ich fast schon als homophob bezeichnen würde. 

Ich sage es jetzt ganz offen, weil es eigentlich relativ schnell im Buch klar wird: Rustan ist in Tirasan verliebt. Ich finde ihn ja wirklich zuckersüß! Der arme Kerl weiß ja gar nicht, was er tun soll. Und dann am Ende macht Tirasan, dass Rustan nicht mehr schwul ist. Und das finde ich wirklich das schlimmste an diesem Buch. Das ist einfach nur traurig. Das wäre doch viel schöner und netter zu lösen gewesen und das hat mich wirklich sehr enttäuscht. Die beiden hätten ja nicht zusammen kommen müssen (auch wenn das mal etwas schönes und neues gewesen wäre), aber diese Sache an Rustan zu verändern, finde ich gravierend.

Es gab leider viele Dinge, die mich an diesem Buch gestört haben, auch wenn Tirasan wenigstens sich selbst etwas verändert hat. Allerdings finde ich es auch ein bisschen komisch, dass Tirasan anfangs unbedingt berühmt sein will und gekannt werden will. Am Ende ist er das nämlich (was für eine Überraschung) und will es auf einmal nicht mehr.

Auch der Leser, Jacob Weigert, hat mir hier viel vermiest. Eigentlich mochte ich ihn ja aus der Jubiläumsausgabe von Twilight, aber das hier fand ich wirklich nicht schön. Er hat bei jeder Gelegenheit die Stimme verstellt und es klang einfach komisch. Seine normale Stimme war eigentlich in Ordnung, wenn Tirasan nicht gerade verängstigt war. Allerdings hat er bei den anderen Männern seine Stimme so tief gehalten, das war wirklich unrealistisch. Die Mädchenstimmen klangen wieder viel zu hoch und es klang einfach alles komisch, wenn er seine Stimme verstellt hat. Das sollte er sich meiner Meinung nach abgewöhnen... 


Außerdem habe ich das Gefühl, die Autorin hatte wahnsinnig viele Probleme eingebaut, die sie einfach so schnipps mit einem Satz verändert und perfekt gemacht hat. Für solche gesellschaftlichen Probleme haben andere Fantasy-Romane drei Bände. Im Prinzip ist das gar keine Lösung, sondern schwupps, wie mit einem Zauberstab: alles perfekt.

Das Cover gefällt mir wirklich richtig gut. Ich finde es sehr magisch gestaltet und gerade, dass die Namen, die darauf geschrieben sind, so geheimnisvoll in Schlangenlinien um alles herum gewunden sind, macht das Buch irgendwie ansprechend. Ich finde es auch toll, dass die Namen, die man darauf lesen kann, wirklich im Buch vorkommen. Schade ist nur, dass man Tirasan Passario nirgends findet, aber das könnte auch eine Bedeutung haben. 

Kennt ihr das Buch? Habt ihr es noch auf dem SuB liegen oder sogar schon gelesen?
Habt ihr vielleicht eine ganz andere Meinung zu dem Buch? Fandet ihr es vielleicht sogar im Gegensatz zu mir herausragend? Oder besonders schön?
Oder habe ich euch vielleicht leider mit meiner Rezension davon abgehalten? (Das war nicht mein Ziel, sorry :D)

Ich muss ganz ehrlich sagen, das einzige, wofür dieses Buch diese 3 Sterne verdient hat, ist die Grundstory bzw. die Grundidee. Das Ende ging einfach viel zu schnell, die Protagonisten waren nicht gut durchdacht und irgendwie war vieles einfach ein bisschen fragwürdig, unrealistisch und man wusste gar nicht mehr, was jetzt wieder wo weshalb passiert war. Ich fand das Ende wirklich sehr verwirrend und man war total überfordert mit den vielen neuen Figuren, die auf einmal super wichtig waren. Weswegen das Buch von mir auf keinen Fall 4 Sterne bekommen hat, war etwas, das Tirasan am Ende getan hat. Ich finde das einfach unmöglich, denn die Autorin hat einen Protagonisten eigentlich doch ziemlich schön gestaltet. Aber dieser wunderbaren Figur hat die Autorin das wichtigste an seinem Charakter geraubt und das ist einfach unerträglich für mich als Leser. Sehr schade. Ich glaube, wenn man das Buch mit Folgebänden geplant hätte, hätte aus der Geschichte noch etwas Besseres werden können. Aber irgendwie war alles in ein Buch gequetscht und viel zu viel auf einmal. 

Sonntag, 22. Mai 2016

Rezension: Für jede Lösung ein Problem (Kerstin Gier)






Titel: "Für jede Lösung ein Problem"
Autor: Kerstin Gier
Verlag: Bastei Lübbe
Genre: Roman
Seiten: 320 (HC)
Beendet: 12. Mai 2016
Hardcover: € 16,00
Taschenbuch: € 8,99
eBook: € 6,49
ISBN: 978-3-4041-5614-6
mehr dazu: Amazon  Kerstin Gier Website 





Was wäre, wenn Ihre Familie, Freunde und Bekannte wüssten, was Sie wirklich über sie denken...
Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, und sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit den Schlaftabletten und dem Wodka - und Geras Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist nicht einfach, mit seinen Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von ihnen hält!

(An die BILD-Zeitung)

"Sehr geehrte Damen und Herren Redakteure!
Mir ist gerade eingefallen, dass Sie vermutlich über meinen Selbstmord berichten, dabei meine wahren Motive außer Acht lassen und eigene erfinden werden:"

Ja, also zuerst möchte ich auf Kerstin Giers Danksagung eingehen. Denn ich finde es wirklich super von ihr, dass sie extra betont, dass sie mit ihrem Roman auf keinen Fall das Thema Selbstmord verharmlosen oder lächerlich machen möchte.

Schon auf der ersten Seite findet man in den Schreibstil der Autorin rein. Für mich, als Kerstin-Gier-Fan, ganz einfach ihren lustigen und leichten Schreibstil zu genießen. Für alle Nicht-Kenner: Einfach jeder Satz gewinnt dem Leser ein Lächeln ab und man ist während dem Lesen nur am Kichern. Dieser Schreibstil hat definitiv Wiedererkennungswert und ich möchte ihn nicht mehr missen! 

Die Protagonistin Gerri, eigentlich Gerda Thaler, hat es im Leben nicht leicht. Ihre Mutter wollte eigentlich statt vier Mädchen vier Jungs als Kinder haben und daher auch die skurrilen und altmodischen Namen. Dann ist ihr Beruf, Schriftstellerin, für ihre Familie auch nicht gut genug und letzten Endes ist sie mit ihren 30 Jahren ja schon bald in den Wechseljahren und so ohne Mann und Kinder, wird sie vermutlich wie die arme Tante enden. Kerstin Gier spricht im Grunde nur aus, was wir alle denken: Auch die geliebte Familie kann einen oft in den Wahnsinn treiben, wenn nicht sogar in den Selbstmord. Dass das mit dem Selbstmord dann doch nicht funktioniert kommt dann auch noch zu ihren Problemen dazu und irgendwie scheint kein Licht mehr am Ende des Tunnels aufzutauchen. Ehrlich, ich kann Gerri wirklich gut verstehen. Gut, die Sache mit dem Selbstmord ist dann vielleicht doch ein bisschen weit hergeholt, aber die Familie ist doch oft der Teufel selbst und meist unser größter Feind. Aber wie heißt es so schön? Du sollst deine Freunde lieben. Und halte dir deine Freunde nah und deine Feinde näher.

Kerstin Gier hat hier eine wirklich tolle Geschichte zu Papier gebracht, die fast ausschließlich zum Lachen bringt. Und trotz dieser Leichtigkeit geht es um ein Thema, das eigentlich nicht so leicht zu nehmen ist. Da wir das Buch in unserem Deutsch-Unterricht gelesen haben, haben wir natürlich auch oftmals über das Buch gesprochen. Das Thema Selbstmord kam natürlich auch zur Sprache. Ich glaube, ich kann für meinen ganzen Kurs sprechen, wenn ich sage, dass keiner von uns verstanden hat, warum Gerri versucht hat sich umzubringen. Aber denken wir doch mal aus einer anderen Sicht. Durch den Schreibstil haben wir alles nur im Witz gelesen und konnten uns nicht vorstellen, wo Gerris Leben denn so trostlos gewesen sein soll. Aber eigentlich hatten wir keine Ahnung, wie Gerri sich wirklich gefühlt hat. Ihre Umwelt haben wir als lustig empfunden, obwohl wir gleichzeitig Mitleid mit ihr hatten.

Alles im allem hat Kerstin Gier einen lustigen, herzzerreißenden und atemlosen Roman geschrieben,der mich, wie alle anderen Bücher von ihr, mal wieder vom Hocker gehauen hat. Die lustige Art, mit der die Autorin das Leben der Protagonistin beschreibt und wie es erscheint, sind einfach gelungen. Es ist ein Buch entstanden, das einfach eine lustige Abwechslung für zwischendurch und für jedermann geeignet ist.

Also ehrlich gesagt gefällt mir zwar das Cover, das ich habe, sehr gut, aber andererseits gefällt mir das gerade neu herausgekommene Cover (links) noch viel besser. Die bunte Schrift hat wirklich was. Vor allem der Brief und die vielen kleinen Dinge, die darauf gemalt wurden. Auf dem alten Cover finde ich die Frühlingsfarben super schön. Dass man mal nicht das Gesicht einer Frau auf dem Cover sieht, ist meiner Meinung nach gut gelungen. Und zwar vor allem, weil sie ein hübsches Kleid trägt und natürlich einen der Abschiedsbriefe in der Hand hält, auf dem der Titel des Buches steht. Wirklich super gelungen. Bei der Frage, ob das Cover zum Inhalt passt, kann ich nur sagen, dass das ältere Cover besser zum Inhalt passt, als das Neue. Das liegt natürlich daran, dass dort der Brief auf dem Cover mehr im Vordergrund steht und beim neuen Cover alleine der Titel des Buches.

Kennt ihr schon dieses überragende Buch von Kerstin Gier?
Habt ihr bereits andere Romane von ihr gelesen (also nicht Silber oder die Edelsteintrilogie)?
Oder habt ihr schon vor eines ihrer Bücher zu lesen?
Die Edelsteintrilogie haben wahrscheinlich die meisten schon gelesen oder?

Dieses Buch muss ein Jeder gelesen haben, der mal wirklich aus vollem Halse lachen möchte! Zumindest ein kleines Lächeln kann einem wirklich jede einzelne Seite abgewinnen. Dass es über ein eigentlich so ernstes Thema geschrieben ist, macht dieses Buch allerdings keineswegs ernst oder traurig. Und dass einem so etwas gelingen kann, ist wirklich ein Meisterwerk. Und trotzdem war es nie das Ziel der Autorin, das Thema als lächerlich darzustellen. Eine solche Mischung hervorzubringen, ist wirklich lobenswert und ich bin sehr begeistert von einem weiteren Buch von Kerstin Gier!

Ich habe ja bereits auch einen anderen Roman von Kerstin Gier gelesen, und zwar:
"In Wahrheit wird viel mehr gelogen"
Auch hier wird ein ernstes Thema, nämlich der Tod, sehr lustig dargestellt, ohne es zu verharmlosen.